URAUFFÜHRUNG 26. Mai 2010
Spaaaß!
Wer bestimmt, was lustig ist...
InterAktives Theater von Christian Giese und Ensemble|generation 13+
Beitrag von rbb Kulturradio vom 26. Mai 2010|hören (mp3, 15Mb)|
Inhalt
Die Klasse wartet auf Herrn Reimann. Sport steht auf dem Plan. Es wird geplaudert: über Schuhmarken und „wer mit wem”. Ein Tag also, wie jeder andere. Als der Lehrer auftaucht, hat Elias bunte Spangen im Haar. „Voll schwul” eben – und zum Kreischen komisch!
Freeze! Der Moderator unterbricht das Spiel. Die ZuschauerInnen befragen die Figuren zu ihren Motiven, geben Handlungstipps. Dann startet die Szene mit erweitertem Blick auf die Ereignisse neu; denn in der Zwischenzeit waren wir bei Simon zu Hause und in Miras Zukunft. Nun wieder die Gegenwart: Turnen bei Reimann. Handstand, abrollen, Strecksprung! Und immer ist Elias der „Trottel”, erntet
Gelächter, Hohn und Spott. Anfangs wird „nur” gelästert, langsam eskalieren die Übergriffe bis hin zur offenen Schikane.
Mit den Mitteln des Improvisations- und Forumtheaters wird eine Laborsituation geschaffen, in der das Publikum gruppendynamische Prozesse untersucht und im Austausch mit den SchauspielerInnen alternative Lösungsstrategien umsetzt.
Stückentwicklung mit Jugendlichen
Bei der Stückentwicklung von „Spaaaß!” ist THEATER STRAHL neue Wege gegangen. In Kreativwerkstätten arbeiteten über 70 Jugendliche gemeinsam mit den Schauspielern und dem Regieteam an Figuren, Plots und Szenen rund um das Thema Mobbing. Die Ergebnisse sind als wichtiger Bestandteil in den weiteren professionellen Inszenierungsprozess eingegangen.|mehr|
Das Projekt wurde gefördert durch die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (JFSB).
Mobbing
Hänseln, Nachäffen, Drohen, Herabsetzen, Bloßstellen, Schikanieren oder Gerü̈chte verbreiten, Ruf schädigen, Ausgrenzen .... Wer bestimmt bei Mobbing, was Spaß macht, wo der Spaß beginnt und wo er aufhört?
„Spaß ist augenblicksorientiert und im Kern selbstsüchtig. Außerdem bedarf der Spaß der steten Reizerneuerung, sonst kehrt permanent Langeweile ein. Spaß ist das Vertreiben von Zeit. So jedenfalls erschließt sich auch sprachgeschichtlich das Wort Spaß. Aus dem italienischen „spasso” (lat. ex-passare = zerstreuen; expandere = ausbreiten) kommend, heißt es nichts anderes als „Vergnügen und Zeitvertreib”. (Zitat aus: „PISA und die Spaßgesellschaft. Ein Plädoyer für Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit.”, Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), in: Forschung & Lehre, 2002, H.2)
Mobbing, als eine Form der Gewalt, gehört ebenfalls für manche SchülerInnen zum Zeitvertreib. In und vor den Schulen gehören Mobbingsituationen mittlerweile zum Schulalltag. Fast jeder 3. Schüler ist Opfer, laut diverser Statistiken. Es gibt bundesweit kaum noch Klassen, die solche Situationen nicht kennen. Die Folgen wirken sich auf die gesamte Persönlichkeit der Betroffenen aus und das häufig ein Leben lang. Der Verlust der Würde, des Selbstvertrauens, der Gesundheit, Leistungsfähigkeit häufig mit dem Resultat der Schulverweigerung sind der Preis, den von Mobbing betroffene SchülerInnen zahlen. Manch eine/r wird später dann selbst zum Täter.
Die Täter, Mitläufer und Möglichmacher sind oft die Entscheider im Mobbingspiel, sie geben vor wer angepöbelt, belästigt, bedroht, geschlagen oder fertiggemacht wird. Solange, bis jemand den Kreislauf unterbricht und aktiv wird, Mut und Zivilcourage zeigt, dem Mobbingopfer beiseite steht und hilft.
Was bedeutet das für die verantwortlichen Erwachsenen, die LehrerInnen? BEOBACHTEN, HINSEHEN, ZUHÖREN, SPRECHEN und HANDELN!
Wer bestimmt, was lustig ist… Das Theater Strahl Berlin hat mit seinem zweiten und neuen Theaterstück „Spaaaß!” vorab im Rahmen von vier Theaterwerkstätten mit über 60 Jugendlichen versucht, dies herauszufinden. Interaktiv mit den Mitteln des Improvisations- und Forumstheaters wird das junge Publikum eingeladen, im Austausch mit den SchauspielerInnen nach alternativen Lösungen zu suchen, die gruppendynamische Prozesse anders verlaufen lassen.
Die Mobbingberatung Berlin-Brandenburg begleitet SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern bei Mobbingvorfällen über Klassenentwicklungsmaßnahmen. Das Medium des Improvisiationstheaters wie das Theater Strahl Berlin es handhabt, ist eines, das sich ausgesprochen gut für die Bearbeitung der Thematik einsetzen lässt.
Eine zukünftige Vision ist, dass Politikverantwortliche und die breite Öffentlichkeit erkennen, welch gesellschafts-politischer Beitrag auf der Ebene der Anti-Mobbingarbeit geleistet wird und diese Arbeit aktiv unterstützen – so wie die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin dies im Fall des Theaterstücks tut! Letztlich geht es immer um die reflektierte Haltung zum Thema von Politikern, Chefs, Lehrenden, Eltern - Erwachsenen überhaupt und deren Verantwortung in Konflikt- und Mobbingsituationen. Bei deren klarem NEIN zu Mobbing, auch mit Blick auf ihr eigenes Verhalten, wissen SchülerInnen dann genau wo der Spaß endet.
Monika Hirsch-Sprätz
- Leitung -
Mobbingberatung Berlin-Brandenburg
Berlin, im Mai 2010






