Jugendtheater: NATHAN

Das Kreuz, der Davidstern und der Halbmond.

Das Zeichen auf dem Theater Strahl-Button, wurde für das Theaterstück NATHAN entworfen, und besteht aus einem Kreuz in einem Davidstern umschlossen von einer Mondsichel bzw. einem Halbmond. Jedes dieser Zeichen steht für sich genommen in engem Zusammenhang mit drei großen Religionsgruppen dieser Welt, nämlich den Christen, den Juden und den Moslems.

Das Kreuz
Das Kreuz ist das wichtigste und am weitesten verbreitete Symbol des Christentums. Nach dem Neuen Testament der Bibel wurde Jesus Christus an einem Kreuz hingerichtet: Durch seinen Tod hat Jesus die Verbindung zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt, die vorher durch die Auflehnung und Rebellion gegen Gott (= Sünde) zerrissen war. Das Kreuz symbolisiert also den Opfertod von Jesus und die damit wiederhergestellte Verbindung von Mensch und Gott. Darüber hinaus ist das Kreuz auch Zeichen für die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und den

Mitmenschen (waagerechte Achse des Kreuzes) sowie mit dem Göttlichen (senkrechte Achse des Kreuzes). Vertikale und Horizontale stehen für die beiden Seiten der Schöpfung: Himmel und Erde, Geist und Materie, Seele und Leib, das Männliche und das Weibliche. In westlichen Kulturen steht das Kreuz, vom Gebrauch als Zeichen des Sieges über den Tod auf Gräbern angebracht, zudem als Symbol für den Tod. In fast allen europäischen Staaten war das Christentum schon während der Staatsgründung die größte Religionsgruppe und in der Folge zumeist Staatsreligion, weshalb in den Wappen, Symbolen, Fahnen oder Flaggen der jeweiligen Herrscher häufig Kreuze auftauchten.

Das Kreuz ist auch eines der ältesten Symbole des Christentums, allerdings war noch vor dem Kreuz das Monogramm ΧΡ (ΧΡ sind die ersten beiden Buchstaben des griechischen Wortes Χριστός = „Christos”) das älteste Zeichen der christlichen Religion. Es wurde seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. verwendet, um den Glauben darzustellen und um sich untereinander zu erkennen. Schon früh wurden die beiden Buchstaben des Monogramms übereinander gestellt, wobei der griechische Buchstaben Ρ auf das um 45° gedrehte griechische Χ gestellt wurde, und dies glich dann auch schon einem Kreuz. Im 3. Jahrhundert kam der Brauch des Bekreuzigens mit den Fingern auf. Ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. tritt das Christusmonogramm zurück, und das Kreuz übernimmt die Funktion des gebräuchlichsten Symbols.

Der Davidstern
Der Davidstern (benannt nach König David - er lebte um 1000 v. Chr. und war König von Juda und zeitweise auch von Israel) gilt heute vor allem als das Symbol des Judentums und des Volkes Israel. Aber er ist ein sehr altes Symbol und hatte in seiner langen Geschichte schon viele Bedeutungen. Der Davidstern ist ein Hexagramm-Symbol: ein sechseckiger Stern, der aus zwei miteinander verwobenen gleichseitigen Dreiecken gebildet wird. Im alten Griechenland war das Hexagramm zunächst ein zur Dekoration verwendetes Motiv und hatte keinen direkten Bezug zu irgendeiner Religion. Im Judentum ist die Verwendung des Symbols ab dem 7. Jahrhundert v.Chr. nachweisbar, allerdings noch nicht als grundlegendes Symbol für die jüdische Religion. Selbst noch im Frühmittelalter (500 bis ca. 1000 n. Chr.) hatte das Hexagramm nur eine allgemeine abwehrende Bedeutung und wurde gleichermaßen von Muslimen, Christen und Juden als Talisman gegen Dämonen und Feuergefahr verwendet. Daher wurden auch Kirchengebäude, Bibelmanuskripte sowie amtliche Dokumente mit diesem Symbol ausgestattet.

Um das 14. Jahrhundert verbanden jüdische mystische Texte das Hexagramm (den Davidstern) als Talisman mit älteren Darstellungen auf einem Schild, der einst König David geschützt haben soll. Je nach Zweck und Verwendung des Hexagramms variiert auch die Deutung dieses Symbols: Zum Beispiel wird der Davidstern als symbolische Darstellung der Beziehung zwischen Menschen und Gott interpretiert [der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten (nach unten weisendes Dreieck), und der Mensch wird zu Gott zurückkehren (nach oben weisendes Dreieck)], die 12 Ecken des Sterns stellen die Zwölf Stämme Israels dar, die sechs Dreiecke stehen für die sechs Schöpfungstage. Das große Sechseck in der Mitte steht für den siebenten, den Ruhe-Tag.

Im 14. Jh. (1354) wurde den Prager Juden von Kaiser Karl IV. das Zeigen einer Flagge erlaubt: Sie wählten den Davidstern als Symbol für diese Flagge. Von Prag verbreitete sich der Gebrauch des Davidsterns hin zu benachbarten jüdischen Gemeinden bis nach Amsterdam. Im 17. Jahrhundert trennte in Wien ein Grenzstein das christliche Viertel (durch ein Kreuz) vom jüdischen Viertel (durch ein Hexagramm). Hier wurde erstmalig das Hexagramm als ein dem Kreuz gleichwertiges Symbol der religiösen Identifikation verwendet.

In der Zeit des Nationalsozialismus mussten die, nach den Rassegesetzen als Juden geltenden Personen mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 zwangsweise eine abgewandelte Version des Hexagramms, den „Judenstern” („Gelber Stern”), zur öffentlichen Kennzeichnung an ihrer Kleidung tragen. Dies kann als Wiederholung von Geschehnissen des mittelalterlichen Europas gesehen werden, in dem christliche Fürsten anordneten, das Juden eine Gelben Fleck tragen sollen, um für die Christen kenntlich zu sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Davidstern 1948 zum Emblem der Nationalflagge des neuen Staates Israel. Das Judentum wird aus historischen Gründen häufig zu den Weltreligionen gerechnet, wenngleich ihm nur ca. 13,5 Millionen Menschen angehören (Vergleich: Christentum circa 2,3 Milliarden, Islam circa 1,4 Milliarden). Das Christentum und der Islam berufen sich vielfach auf die Überlieferungen des Judentums. Das Judentum war hinsichtlich seiner Verbreitung – je nach religionswissenschaftlicher Definition – die erste Weltreligion. Zum Ende der Antike fanden sich jüdische Gemeinden weit über den römisch-hellenistischen Raum hinaus verstreut bis nach China, Indien und Afrika.

Der Halbmond
Darstellungen von Mondsicheln bzw. Halbmonden gab es schon im Alten Ägypten und in Mesopotamien (3000 Jahre v. Chr.!). Das Symbol stand unter anderem für den Namen des Mondgottes Jah. Auch die Griechen und die Römer verwendeten das Symbol zur Darstellung der griechischen Göttinnen Selene und Artemis, sowie deren römischen Entsprechungen, den Göttinnen Luna und Diana.

Von den Römern übernahm die Stadt Konstantinopel (das heutige Istanbul) die Mondsichel. Der Überlieferung zufolge hatte die Stadt es zu Ehren der Göttin Diana gewählt. Nach anderen Quellen geht es auf eine Schlacht zurück, in der die Römer die Goten am ersten Tag eines Mondmonats besiegten. Auf jeden Fall war die Mondsichel bereits in vorchristlicher Zeit Bestandteil der Stadtflagge.

Die ursprüngliche muslimische Gemeinschaft verfügte über kein direktes eigenes Symbol. Zu Zeiten des Propheten Mohammed trugen die islamischen Armeen und Karawanen einfarbige Flaggen (schwarz, grün oder weiß). Spätere muslimische Generationen führten die Tradition der einfachen schwarzen, weißen oder grünen Flagge fort, ohne Embleme, Schriftzeichen oder Symbole. 1453 wurde Konstantinopel vom osmanischen Reich erobert und die Mondsichel wanderte von der Stadtflagge Konstantinopels in die Flaggen der osmanischen Armeen. Daher wurden spätestens im Osmanischen Reich Mondsichel und Stern mit der muslimischen Welt in Verbindung gebracht. Nach der Legende sah der Gründer des Osmanischen Reiches Osman I. im Traum die Mondsichel, die sich von einem Ende der Erde zum anderen ausdehnte. Dieses als gutes Omen nehmend, beschloss er, die Mondsichel als Symbol seiner Dynastie zu übernehmen.

Jahrhundertelang beherrschte das Osmanenreich einen großen Teil der muslimischen Welt. Durch die fortdauernde Auseinandersetzung mit dem christlichen Europa hat sich die Mondsichel auch mental mit dem Glauben des Islams verbunden und eine Wandlung von einem alten heidnischen Bild zum heutigen Symbol des Islams durchlaufen.

von Maren Elison, November 2012